Der Neustart einer Insel

Gran Canaria hat eine lange Weingeschichte und auch diese Insel ist von der Reblaus verschont geblieben. Trotzdem wurden die Rebberge fast vollständig auf dieser Insel aufgegeben. Die Bewirtschaftung kleiner Parzellen diente zur Deckung des eigenen Weinbedarfs. Die Situation sieht somit so aus, dass die meisten Kellereien keine wirkliche Geschichte haben. Auch die Erfahrung bei der Weinbereitung ist noch jung.

Die Insel ist fast kreisrund mit vielen Schluchten. Eine Fahrt ins Zentrum ist ein rauf und runter. Oder ans Ende der Schlucht und wieder nach vorne. Bei der Planung der Fahrten, haben wir eine eigene Zeitrechnung. Die Angabe des Routenplaners mit 25 km und 30 Minuten sind ein Richtwert. Ca. 1 Stunde ist realistischer. Weinberge sind nicht existent. Es sind kleine Parzellen in Mitten von anderen landwirtschaftlichen Flächen. Dies ist sehr arbeitsaufwändig. Lange Wege zwischen den Rebflächen und viel Arbeit in den Weingärten. Wir haben es nicht geschafft, viele Rebflächen zu sehen. Sie sind komplett über die Insel verteilt. Nur der Südwesten ist fast frei von Reben.

Eine Besonderheit ist, dass es zwei D.O.s gab. Gran Canaria, diese beinhaltet die gesamte Insel. Bis vor kurzer Zeit gab es Monte de Lentiscal. Jetzt gibt es nur noch Gran Canaria. Auf dem Etikett kann Monte de Lentiscal als Unterregion angegeben werden.

Die kleinen Strukturen lassen sich an den Zahlen ablesen. Jeder Weingärtner hat weniger als ein Hektar. Die geringe Rebfläche wird von vielen Kellereien verarbeitet. Kleine Kellereien, wenig Produktion und fast keine Wahrnehmung durch den Weintrinker auf der Insel.

Die Rebfläche beträgt 229 ha und wird von 333 Weingärtnern bewirtschaftet. 61 Kellereien verarbeiten die Trauben.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:

Malvasia, Gual, Albillo, Moscatel, Vijariego und Marmajuelo.

Außerdem dürfen angebaut werden: Listán Blanco, Torrontés, Pedro Ximénez und Breval.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:

Listán Negro, Malvasia Rosada, Tintilla und Negramoll.

Außerdem darf angebaut werden: Moscatel Negro.

Zusammenfassend kämpft ein Winzer Gran Canarias an zwei Fronten. Die Größe der Kellerei reicht selten zum Leben. Also wird es im Nebenerwerb betrieben. Keine Zeit und kein Geld für Werbung und Präsentationen. Die Produktionskosten und der Druck von Weinen vom Festland sind hoch. Zusätzlich haben Teneriffa und Lanzarote die Insel als Absatzmarkt fest im Griff. Also viele Schwierigkeiten für eine junge D.O. deren Consejo Regulador noch Ansatzpunkte sucht. Wer im Restaurant einen Wein findet, unbedingt probieren. Typische Produkte der Regionen probieren macht mir sehr Spaß. Probieren Sie es aus!