Eine Rebsorte macht den Unterschied
Von Toro aus Richtung Norden kommt die Region Tierra de León. Die Stadt León ist Namensgeber, wie auch für die ganze Region Castilla y León. Das Land ist dünn besiedelt und die Abstände zwischen den Weinbergen der einzelnen Gemeinden sind beachtlich. Wie in einigen Weinanbaugebieten Spaniens, werden regionale Interessen gebündelt oder wie in diesem Fall eine Rebsorte als Identität gewählt. Die Prieto Picudo ist die Rebsorte in der Zone.
Landschaftlich ist es zwischen Benavente und León flach und die Landwirtschaft nutzt große Teile der Flächen für Getreide. Richtung Osten grenzt Galicien an die Provinz an und Richtung Norden erheben sich die Picos de Europa in die Höhe. Zwei Faktoren, die das Klima beeinflussen. Von Galicien kommen atlantische Einflüsse und von den Picos de Europa kühle Winde, die im Sommer die Temperaturen etwas mildern. Das Klima ist kontinental mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Die Nähe zu Galicien hat hier keinen Einfluss auf die Niederschlagsmenge, die mit ca. 400 mm pro Jahr niedrig ist.
Bei unserer Fahrt durch die Dörfer ist die ehemalige Bedeutung des Weinbaus unverkennbar. In einem Dorf übersteigt die Anzahl der 400 alten Weinkeller die Einwohnerzahl. Die Bedeutung des Weinbaus ist derart in Tierra de León zurückgegangen, dass die Menschen kaum den Wein aus ihrer Provinz kennen und die Prieto Picudo fast ausgestorben war. Die Beeren haben eine spitze Form (Picudo) und sind eng zusammengepresst (Prieto). Und schon haben wir den Namen. Die Rebe der Prieto Picudo kriecht am Boden entlang und lässt sich schwer in der alten Buschform nach oben erziehen. Dadurch lagen die Trauben am Boden, der oft aus großen Steinen besteht, und mit etwas Niederschlag oder Feuchtigkeit begannen sie zu schimmeln. Die Beere hat zusätzlich eine eher dünne Schale und ein Winzer berichtet uns, dass es in drei Jahren höchstens eine gute Ernte gab. Jetzt werden die Reben am Drahtrahmen erzogen und die Winzer setzen überwiegend auf ihre einheimische Rebsorte.
Die Rebfläche beträgt 1.451 ha. 850 Weingärtner bewirtschaften die Rebfläche und 35 Kellereien verarbeiten die Trauben.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:
Albarín, Verdejo, Godello, Palomino fino und Malvasia.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:
Pieto Picudo und Mencia. Als Partner mit geringerem Anteil zugelassen Tempranillo und Garnacha.
Zusammenfassend ist Tierra de León ursprünglich eine Region für Roséwein gewesen. Die Begründung hierfür ist vermutlich der damalige Geschmack, da die Prieto Picudo hervorragend für Rotwein geeignet ist. Einige Gemeinden sind aktuell noch auf der Warteliste, die traditionell sehr kleinen Parzellen durch größere Rebgärten zu ersetzten. Kleine Parzellen heißt, dass ein kleiner Winzer durchaus über 400 Parzellen haben kann. Diese sind nicht zusammenhängend, sondern sind über die Gemeinde verstreut. Die Weinregion hat auf jeden Fall verstanden, sich mit ihrer Rebsorte aus dem großen Meer der Weine abzuheben. Für den neugierigen Weintrinker, ist Prieto Picudo eine weitere Entdeckung für Weine aus Spanien.



