Garnacha als Geisel einer Region
Südöstlich von Madrid erstreckt sich Méntrida. Eine Region die sehr stark in Genossenschaften organisiert ist. Bereits sehr früh erlangte diese Region den D.O. Status. Eine Gegebenheit, die auch unter den Fachleuten kaum auf Verständnis stößt. Die dominierende Rebsorte ist Garnacha. Diese Variante von Garnacha hat wenig Farbe und ein extremes Wachstum. Klimatisch herrschen die Extreme. Im Sommer bis über 40 ° C und kaum Niederschläge. Viel Sonne treibt den Alkoholgehalt in den Weinen auf teilweise rekordverdächtige 17 vol. %. Ein Rosé, traditionell ausgebaut mit diesem Niveau an Alkohol ist aktuell nicht für den Markt gemacht. Viele alte Rebbestände prägen die Landschaft, helfen allerdings nicht der Weinqualität. Selbst diese alten Bestände sind im Wachstum kaum zu bremsen. Der extreme Arbeitsaufwand für einen qualitativ hochwertigen Garnacha im Weinberg wird nicht finanziell honoriert. Die Genossenschaften zahlen pro Kilo Trauben extrem geringe Preise. Dies ist unabhängig von der Qualität und animiert den Weingärtner nicht zu besserem Lesegut. Ein Teufelskreis, der in einigen spanischen Weinbauregionen vorherrscht. Falls dieses zum Aussterben der Genossenschaften führt, weil die Weine nicht mehr verkäuflich sind, steht dem spanischen Landschaftsbild ein extremer Wandel bevor. Viele Regionen sind derart karg, dass nur Reben und Olivenbäume wachsen. Falls die Reben europäischen Rodungsprogrammen zum Opfer fallen, bleibt nur Wüste übrig.
Die Rebfläche von 8.832 ha, und wird von ca. 1.500 Weingärtnern bewirtschaftet und von 23 Kellereien verarbeitet.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:
Albillo, Macabeo, Chardonnay, Sauvignon blanc und Verdejo.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:
Garnacha, Cencibel (Tempranillo), Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und Petit Verdot.
Zusammenfassend ist diese Region in ihren alten, überholten Strukturen gefangen. Am schlimmsten in Méntrida ist, dass vermutlich die alten Weinberge über 950 Meter Höhe, mit den besten Qualitäten zuerst gerodet werden. Viel Arbeit und wenig Geld machen diese Rebparzellen (häufig klein und schwer zugänglich) unrentabel. Da bleibt nur zu hoffen, dass die wenigen innovativen Kellereien, mit viel Enthusiasmus diese Parzellen retten und weiter außergewöhnliche Weine ausbauen und nicht alleine auf internationale Rebsorten setzen.



