Ein Querdenker trifft ins Ziel
Die Fahrt von Estella in Navarra Richtung Pamplona birgt einige landschaftliche Veränderungen. Die Berge werden höher und die Gegend wird grüner. Um in diese Senke zu gelangen, durchfahren wir den Tunnel des Berges Perdón. Diese Gegend bei Echauri wird durch die Sierra des Perdón im Süden und der Sierra des Echauri im Norden und Westen gebildet. Klimatisch sind die Einflüsse deutlich atlantisch. Kühlere Temperaturen, die stark zwischen Tag und Nacht schwanken. Über 700 mm Niederschläge pro Jahr. Und das nur einige Kilometer von Estella im Süden entfernt, wo Wasser der begrenzende Faktor im Weinbau ist.
Wir befinden uns bei der Kellerei Otazu nur ca. 10 km südwestlich von Pamplona. Das ist der nördlichste Bereich Spaniens, in dem Rotweinreben wachsen. Pamplona ist bekannt für San Fermin und das Stiertreiben in den Gassen der Stadt. Weiter im Norden wachsen nur Weißweinreben in Galizien oder im Baskenland. 1998 begann Otazu in dieser kühleren Gegend Reben zu pflanzen. Zu dieser Zeit war das ganz entgegen dem Trend der Region Navarra, die weiter im Süden volle und marmeladige Weine herstellte. Und das war zu Beginn nicht einfach. Durch die hohen Niederschläge im Herbst bis ins Frühjahr wuchsen die Reben ungezügelt. Viel Forschung war nötig, um eine Lösung zu finden. Und man fand sie in einer Getreideart. Sie wird das ganze Jahr zwischen den Reben kultiviert und die Wachstumsfasen laufen genau entgegengesetzt zu denen der Rebe. Damit wird Wasser gebunden und die Rebe bremst automatisch ihr Wachstum.
In Otazu entstehen elegante und ausdrucksstarke Weine. Und das in Navarra. Um das zu verstehen und akzeptieren, muss man die Region abfahren und bei verschiedenen Kellereien anklopfen. Wo haben sie ihre Reben? Wie wird ausgebaut? Welchen Stil verfolgen sie? Dann versteht man, wieso Navarra so vielfältig ist.
Die für den Pago zugelassene Rebfläche beträgt 92 ha.
Die zugelassenen Rebsorten bei Vinos de Pago Señorio de Otazu Weiß:
Chardonnay.
Die zugelassenen Rebsorten bei Vinos de Pago Señorio de Otazu Rot:
Tempranillo, Merlot und Cabernet Sauvignon.
Weitere 18 ha sind mit wilden Klonen und Rebsorten bepflanzt, die der Kellerei viele Informationen über deren Verhalten und Qualität in diesen klimatischen Verhältnissen liefert.
Zusammenfassend ist der Mut von Bodegas Otazu zu bewundern. Jahrelang wurden sie für ihren Stil belächelt und sind trotzdem den eingeschlagenen Weg weitergegangen. Jetzt sind sie mit dem eleganten und ausdrucksstarken Stil in den Weinführern ganz vorne und die Weine sind gesucht. In Zukunft kann ich mir vorstellen, dass alle Weine der Kellerei als Vinos de Pago auf den Markt kommen und eine komplette Abkopplung von der D.O. Navarra stattfindet. Das ist nur ein weiterer logischer Schritt auf dem eigenständigen Weg von Bodegas Otazu.



