Hinter Mauern versteckte Weingärten

Die Fahrt in diese Weinregion ist mit der Benutzung einer Fähre verbunden. Von Valencia dauert es 7 Stunden und um 6 Uhr morgens erreicht man Mallorca. Deutschlands liebste Urlaubsinsel produziert Wein und konsumiert ihn überwiegend vor Ort. In den Export gehen ca. 4 % der Produktion.

In Pla i Llevant gibt es keine Genossenschaften mehr. Die Letzte stellte ihren Betrieb in den 70er ein. Die Struktur sind wenige große Kellereien und viele Kleine. Die meisten Weine werden mit autochthonen Rebsorten produziert. Bei Weißweinen Prensal blanc und bei Rotweinen Gallet und Manto Negro. Der Grundgedanken in der Weinproduktion ist ein sehr patriotischer. Es wird auf die einheimischen Rebsorten und Gegebenheiten gesetzt. Auf einer Insel, die überwiegend vom Tourismus lebt, ist diese extreme nationalistisch orientierte Sichtweise zwar verständlich, aber auch befremdend. Beim Kontakt mit den Winzern wurde immer kastilisch gesprochen, dies fiel vielen Winzern oft sehr schwer. Nicht weil sie nicht wollten, aber doch, weil sie nicht konnten. Wieder zurück zum Wein sind die roten Rebsorten Callet und Manto Negro reguläre Rebsorten. Wenig Farbe, kaum Struktur und geringe Säure machen sie für Lagerung ungeeignet. Häufig finden internationale Rebsorten ihren Platz in der Zusammenstellung der Weine. Einen hochwertigen Wein aus Gallet, berichtet ein Winzer, kann er höchstens alle 4-5 Jahre machen. Es müssen alle Faktoren perfekt zusammen spielen, dass sie große Weine ergibt.

Auf der Fahrt zu den Weinbergen fiel mir auf, dass nur sehr wenig Rebfläche in der D.O. ist, aber praktisch die halbe Insel als Zone zugelassen ist. Dies ist ein Zugeständnis an den stark zerklüfteten Anbau. Die Region zwischen Petra, Manacor und Falanitx beherbergt die meisten Weinberge, größere Weingärten sind allerdings neu gepflanzte. Die traditionellen Weingärten sind hinter Mauern. Enge Straßen, auf die keine zwei Fahrzeuge passen. Links und rechts wellige Mauern, ein Traum zum Fahren. Und dann plötzlich Weingärten. Zum Bearbeiten werden die Reben, wie zu einem Zopf, zusammen gebunden. Kleine Parzellen, mit wenig Reben und viel Arbeit. Das ist das traditionelle Mallorca. Dass dann auch noch die Niederschläge gerne zu Zeiten der Reife im Herbst zunehmen, macht das Arbeiten noch schwerer. Manto Negro ist in vielen Jahren eher grün als schwarz. Klassisch wurden im Weinberg alle Rebsorten kreuz und quer gepflanzt. Hier Rot dort Weiß und zum festgelegten Zeitpunkt alles auf ein Mal geerntet. Egal ob reif, grün oder bereits mit Schimmelbefall. Insgesamt ergab das dann einen roseartigen Wein. Davon ist der aktuelle Weinbau allerdings weit entfernt. Das internationale Publikum verlangt bessere Weine und ist dafür bereit höhere Preise zu bezahlen.

Die Rebfläche von 315 ha, und wird von ca. 100 Weingärtnern bewirtschaftet und von 12 Kellereien verarbeitet.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:

Prensal blanc, Macabeo, Perellada, Moscatel und Chardonnay.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:

Callet, Manto Negro, Fogoneu, Tempranillo, Monastrell, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah.

Zusammenfassend ist die Struktur mit vielen kleinen Kellereien sehr interessant. Es gibt viel zu entdecken und noch mehr zu erleben. Die meisten Kellereien freuen sich über Besuch. Einfach mal nachfragen, wie die Kellerei es handhabt. Qualitativ ist Pla i Llevant im Vormarsch. Viele Versuche und die zunehmende Erfahrung mit Cabernet Sauvignon und Co. ergeben moderne Weine. Auch die Erfahrung mit den einheimischen Rebsorten lässt hoffen. Reinsortige Callet dürften noch spannende Weine ergeben. Nichts für das Glas zwischen durch. Aber sicher für das Gespräch unter Weinfreunden am Abend.