Eine schlafende Region
Tarragona ist vielen Spanienurlaubern als Stadt bekannt. Wer kennt nicht Salou oder Cambrils aus Urlaubskatalogen. Sonne, Strand und unbeschwertes spanisches Lebensgefühl. Für den Wein trifft das nicht zu. Sonne hat er sehr viel bekommen und die Rotweine sind immer noch eher traditionell. Kein Wunder, da überwiegend Genossenschaften und große Kellereien als Fassweinlieferant für andere Länder und andere Kellereien in Katalonien dienen. Diese Region hat dem Nachbarn Priorat beim Aufstieg zugesehen. Jetzt hat sich auch Montsant aufgemacht und Tarragona hat es bisher einfach verpennt. In den Urlaubsorten ist von den Weinen aus der Region nichts zu sehen. Etwas Cava und Weine vom anderen Nachbarn Penedès und sonst die üblichen Verdächtigen. Große Marken, Rioja und etwas Ribera del Duero. Tarragona hat es nicht geschafft die eigenen Weine in der Region unterzubringen. D.h., Moment, die Restaurants brauchen für ihr Mittagsmenü einen billigen Tischwein. Dafür halten sie teilweise große Behälter zur Lagerung vor, die von den Kellereien mit Tanklastern versorgt werden. Keine Namen, keine Hinweise. Alles bleibt anonym.
Die Weine sind wie bereits erwähnt eher traditionell. Es ist angenehm, dass es auch Kellereien gibt, die erfrischende und fruchtige Weine herstellen. Diese gehen fast komplett ins Ausland. Ebenso ist Tarragona mit dieser Politik der Menge zu geringen Preisen ein willkommener Lieferant für große Supermarktketten. Hier sind Crianzas und Reservas für wenig Geld und mit geringer Qualität, in großen Volumen zu erhalten.
Die Rebfläche von 6.452 ha, und wird von ca. 1.098 Weingärtnern bewirtschaftet und von 55 Kellereien verarbeitet.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:
Chardonnay, Macabeo, Xarel.lo, Garnacha Blanca, Parellada, Moscatel de Alexandria, Moscatel de Frontignan, Sauvignon Blanc und Malvasia.
Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:
Samsó (Cariñena), Garnacha, Ull de Llebre (Tempranillo), Cabernet Sauvignon, Merlot, Monastrell, Pinot Noir und Syrah.
Zusammenfassend ist die Mengenproduktion noch klar vorherrschend. Wichtiger scheint mit Tanklastzügen Europa zu versorgen, als die hervorragenden Gegebenheiten zu nutzten. Die Nähe zum möglichen Weintrinker an der Küste wird komplett übersehen. Kleine Weinreisen oder Verkostungen in den Kellereien. Weine für die Region, leicht und unkompliziert. Möglich wäre das, passieren tut nichts. Die innovativen Kellereien versuchen die Region aufzurütteln und ich wünsche ihnen dabei viel Ausdauer.



