Wein und Schiefer

Wir verlassen Bierzo auf der N 120 und fahren durch bergiges Land und schlängeln uns um verschiedene Flüsse. Der Hauptfluss ist Sil. Sowohl für Bierzo, als auch für Valdeorras. Die beiden Regionen trennen nur ca. 50 km. Aber hier sind wir bereits in Galizien. Bereits vorher ist mir aufgefallen, dass die Häuser der Region mit Schiefer bedeckt sind. Ein teures und schwieriges Material. Jetzt sehen wir auch die Weinberge auf Schiefer. Dieses Material ist die Geldquelle der Region. Auf seinem Grundstück abbaubaren Schiefer zu finden, ist wie auf eine Ölquelle zu stoßen.

Die Region liegt überwiegend im Tal des Sil und an seinem Stausee. Es wird an Hängen angebaut und im Flusstal. Hier gibt es flaches Schwemmland und darauf viele Reben. Im Schwemmland sind meistens mehr Nährstoffe für die Rebe verfügbar. Also wächst sie hier kräftig und bringt hohe Erträge. Dies ist eine Folge der Reblaus. Danach hat man widerstandsfähige Sorten gesucht. Ebenso haben zwischen den 50er und 70er Jahren die Kooperativen nach Menge gefragt. Egal was, Hauptsache viel. Die Antwort hierauf war die Rebsorte Palomino. Sie wird hier auch Jerez genannt, weil dort ihre Heimat ist. Sie ist resistent und bringt große Mengen.

Klimatisch ist es hier etwas kühler als im Bierzo. Wasser ist auch hier im Überfluss verfügbar. Die kühleren Verhältnisse lassen auch Fröste auftreten. In machen Jahren gibt es dadurch viel geringere Ernten. Deshalb suchen die Winzer hier niedrigere Lagen, um diesem Risiko zu entgehen. Wichtiger wird bei diesen Verhältnissen die Reife der Trauben. Die Königin der Rebsorten ist Godello. Eine weiße Rebsorte, die nur einen kleinen Teil der Rebfläche ausmacht und typisch für diese Zone ist. Obwohl auch im Bierzo vorhanden, ergibt sie hier frischere und aromatischere Weine. Sie wird wieder vermehrt angebaut und macht den Unterschied aus. Die Winzer sind meist einhellig der Ansicht, im Bierzo Mencia, in Valdeorras Godello. Nur so herum werden die Tauben optimal reif. Und na klar, auch dafür gibt es Ausnahmen.

Die Rebfläche beträgt 1.301 ha. 2.083 Weingärtner bewirtschaften die Rebfläche und 43 Kellereien verarbeiten die Trauben.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Weiß:

Palomino (Jerez), Dona Blanca und Godello.

Die zugelassenen Rebsorten in der Region bei Rot:

Mencía, Merenzao, Grao Negro und Garnacha.

Zusammenfassend ist beim Verkosten ebenfalls das Ergebnis entstanden: Mencia aus Bierzo, Godello aus Valdeorras. Vielleicht auch deshalb, weil die jeweils andere Rebsorte immer etwas stiefmütterlich behandelt wird. Der Preis des Godello ist durch die enorme Auslandsnachfrage ordentlich gestiegen. Die USA hat ihre neue Moderebe entdeckt. Die Stilistik der Weine hat zwei Hauptrichtungen. Wie immer, ernten-pressen-gären-fertig, fruchtige und leichte Weine. Oder dieses System mit Lagerung auf der Feinhefe (sobre lías). Intensiver im Geruch, fülliger im Mund. Das ist Geschmackssache. Auf jeden Fall wird auf die Godello gesetzt. Der Kampf, eine Parzelle kaufen zu können, ist erstaunlich. Es geht nicht um Geld, sondern um Tradition. Schon der Vater des Vaters meines Vaters hat mit seiner Hände Kraft … Und die Kinder wollen nicht mehr. Aber aufgeben will man nicht. Dann bleibt nur stetiges Nachfragen. Hoffentlich haben viele Versuche Erfolg. Mögen so viele Parzellen wie nur möglich erhalten bleiben.